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Biogas: Unterschätzter Energielieferant springt in die Bresche, wenn Sonne und Wind Pause haben

Nach dem Kohleausstieg 2038 muss die Grundlast neu gesichert werden / BioConstruct sieht großes Potential für Biogasanlagen

Obwohl das Aus der Kohleverstromung seit langem feststeht, kam der Zeitpunkt für manche nun doch wie ein Paukenschlag. Spätestens 2038 soll das letzte deutsche Kohlekraftwerk vom Netz gehen. So empfiehlt es die Kohlekommission der Bundesregierung, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Spätestens jetzt ist klar: in den kommenden 20 Jahren müssen Kraftwerkskapazitäten in erheblichem Maße ersetzt werden. Eine neue Chance für Biogas? – als einziger grundlastfähiger erneuerbare Energieträger kann Biogas schließlich Strom und Wärme liefern, wenn Sonne und Wind Pause haben. Die BioConstruct GmbH appelliert an die Politik, klare Rahmenbedingungen zu setzen. Unterstützung erfährt das Unternehmen aus Melle vom Landesverband Erneuerbare Energien Niedersachsen/Bremen e.V. und vom Fachverband BIOGAS.

Entscheidung der Kohlekommission erzwingt Handlungsbedarf

„Die Entscheidung der Kohlekommission bedeutet, dass insbesondere in der Grundlastversorgung in den nächsten Jahren Kapazitäten geschaffen werden müssen“, fasst BioConstruct-Geschäftsführer Henrik Borgmeyer die momentane Situation zusammen. „Hier sehen wir eine große Chance für Biogas als verlässlichen Energielieferanten.“ Auch wenn die erneuerbaren Energien inzwischen schon ein Drittel des deutschen Strommix‘ ausmachen, ist die Grundlastversorgung mit Windkraft und Photovoltaik nicht zu gewährleisten. Denn die Schwankungen bei Sonnenstrahlung und Windgeschwindigkeit spiegeln sich direkt im Stromnetz und beim Strompreis wieder. Und Speicherkapazitäten liegen noch lange nicht ausreichend vor. Momentan kann in Deutschland gerade einmal für 36 Minuten Strom gespeichert werden. Diese Unsicherheiten werden aktuell noch in erheblichem Maße durch Kohlekraftwerke ausgeglichen, die jedoch durch ihre mangelhafte Regelbarkeit zu Zeiten, in denen es viel Wind und Sonne gibt, die nicht ausreichend ausgebauten Stromnetze verstopfen und diese Anlagen daher abgeschaltet werden müssen. Die Entschädigungszahlungen an die Betreiber für die Abschaltungen lagen im Jahr 2017 bei einem Rekordwert von über € 619 Mio. Euro. Dieser Betrag kann nach Abschaltung der Kohlekraftwerke sofort eingespart werden und liegt somit auf der Habenseite des Kohleausstiegs! In 2017 lag die Stromerzeugung durch Kohle in Deutschland bei 36,6 Prozent, was 16,34 Terrawattstunden entspricht. Spätestens bis zum angestrebten Ende im Jahr 2038 muss deshalb eine gewaltige Menge an grundlastfähigen Erzeugungskapazitäten neu gebaut werden.

Biomasse als der zuverlässige heimische Grundlastlieferant bei Dunkelflaute

„Die Biomasse kann in Zukunft einen erheblichen Beitrag zum Ausgleich der volatilen Energien leisten“, betont Silke Weyberg, Geschäftsführerin des Landesverbands Erneuerbare Energien und dort Biogasexpertin „Biogasanlagen produzieren auch dann, wenn Wind und Sonne Pause haben. Diese Systemdienstleistung wird benötigt und muss sich auch beim Strompreis wiederfinden.“ Momentan nimmt der Energieträger mit nur 7,8 Prozent (2017) noch einen relativ geringen Anteil an der deutschen Stromproduktion ein. „In den vergangenen Jahren wurde Biomasse als verlässlicher Partner in der Energiewende häufig unterschätzt“, erklärt Matthias Kief, Geschäftsführer Vertrieb und technische Konzeption bei BioConstruct. „Ein forcierter Ausbau kann der entscheidende Beitrag gegen die in der Politik derzeit diskutierten Versorgungsengpässe sein.“

Durch ihre Eigenschaft als besonders effiziente und flexible erneuerbare Energiequelle liefert Biomasse verlässlich Energie aus einer Vielzahl von Rohstoffen. Ein paar Beispiele: Aus 1.000 Biomülltonnen á 120 Kilo werden rund 16.800 Kilowattstunden gewonnen. Aus einem Hektar Mais etwa 21.000 Kilowattstunden. Und die Gülle von 100 Schweinen liefert pro Jahr 300 Tonnen Biomasse. Daraus können in einer Biogasanlage 15.000 Kilowattstunden Strom gewonnen werden. Zum Vergleich: Ein Haushalt verbraucht durchschnittlich pro Jahr etwa 3.500 Kilowattstunden.

Flexibel ist Biogas nicht nur bei den Rohstoffen, sondern auch in seiner Leistung. Je nach Jahreszeit kann die Wärmeproduktion gedrosselt oder hochgefahren werden. Durch die Wärmenutzung entstehen zudem Kraftwerke mit einem sehr hohen Wirkungsgrad. Biogas leistet einen wichtigen Beitrag zur Verringerung der CO-Emissionen im Wärmesektor, die für fast die Hälfte der Emissionen in ganz Deutschland verantwortlich sind. Während bei jedem konventionellen Kraftwerk schon allein bei der Verstromung die Verluste bei über 50 Prozent liegen, da die Wärme nicht genutzt wird. können Biogasanlagen durch Kraft-Wärme-Kopplungbis zu 85% der Energie in Wärme und Strom umwandeln.

Die Biogasanlage von BioConstruct in Melle produziert 8,76 Millionen Kilowattstunden pro Jahr. Dadurch ergibt sich eine Gesamteinsparung von 5.600 Tonnen Kohlendioxid im Vergleich zu einem konventionellen Kraftwerk dieser Größe. Das entspricht dem CO²-Ausstoß von rund 1.950 durchschnittlichen Mittelklasse-Pkw pro Jahr.

Nicht zuletzt ist Biogas auch wirklich „Made in Germany“. Denn Deutschland ist das Biogas-Land Nummer eins, ein Großteil der Industrie findet sich hierzulande. Mit einem weiteren Ausbau werden Arbeitsplätze vor Ort gesichert, Dienstleistungen von heimischen Unternehmen erbracht und Gewinne reinvestiert.

BioConstruct als Vorreiter trotz unklarer Förderbedingungen

Ins Stocken brachte den Ausbau von Biogasanlagen in den vergangenen Jahren vor allem die unklaren Förderbedingungen. Mit der Überarbeitung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) 2017 waren neue Biogasanlagen nur noch sehr schwer wirtschaftlich zu betreiben, da die Förderung stark eingeschränkt wurde. Wie es weitergeht, ist bislang unklar, das aktuelle Gesetz läuft Mitte dieses Jahres aus. Insbesondere die Zukunft der so genannten Flexprämie ist offen.

Dass der Bau von Anlagen in Deutschland trotz eingeschränkter Förderung schwierig, aber dennoch möglich ist, beweist BioConstruct mit seiner Biogasanlage im Landkreis Börde, nahe Magdeburg. Das Investitionsvolumen der Anlage umfasst insgesamt mehr als 14 Millionen Euro – die größte Einzelinvestition des führenden Anbieters für Planung und Bau schlüsselfertiger Biogas-, Windenergie- und Photovoltaikprojekten in Europa. Inbetriebnahme ist für Sommer dieses Jahres geplant. „Insgesamt wird die Anlage ca. 70.000 Tonnen Rohstoffe pro Jahr verarbeiten, unter anderem auch Geflügelmist aus dem direkten Umland. Daraus können wir rund 700 Kubikmeter Biomethan pro Stunde und am Ende Strom und Wärme für 22.000 Menschen gewinnen“, rechnet Borgmeyer vor. „Um weitere Projekte angehen zu können, brauchen wir allerdings schnell klare Rahmenbedingungen, was die Förderung von Biogasanlagen angeht. Nur mit einem flexiblen, grundlastfähigen und erneuerbaren Energieträger kann die Energiewende im Einklang von Ökonomie und Ökologie gelingen!“