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Biogasanlagenbauer setzt Hoffnungen in den US-Markt

Brexit und Pandemie belasten Firma Bioconstruct / Neue US-Präsidentschaft als Lichtblick für Geschäft mit erneuerbaren Energien

Nina Kallmeier

Ein Blick durch das kleine Fenster in die Biogasanlage ist nicht gerade sehr appetitlich. Und doch ist der Strom, der aus Biomasse produziert wird, wichtig – knapp 8 Prozent oder 44,1 Terawattstunden waren es im vergangenen Jahr in Deutschland. Deutschland ist jedoch nicht der Markt, auf dem das Unternehmen Bioconstruct vornehmlich aktiv ist. Rund 70 Prozent seines Umsatzes hat die Meller Firma im vergangenen Jahr mit der Planung und Realisierung von Biogasanlagen in Großbritannien erwirtschaftet, sagt Geschäftsführer und Gründer Henrik Borgmeyer – ein Anteil, der in den Jahren zuvor stetig gestiegen ist.
Auf der Insel liegt der Anteil von Biomasse an der Stromerzeugung noch deutlich höher. Insofern hatte Borgmeyer mit Sorge auf die Brexit-Verhandlungen Ende 2020 geschaut. „Großbritannien ist mit Abstand unser größter Markt. Fiele er bei einem harten Brexit weg, bliebe uns fast nur Deutschland“, so der Geschäftsführer.
Dass Borgmeyer einmal ein Unternehmen gründen würde, das Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energie bauen würde, war keineswegs ausgemacht. Er hat auf Lehramt studiert – Englisch, Physik und Sozialwissenschaften. Als Lehrer gearbeitet hat Borgmeyer allerdings nicht. Sein Onkel hat in ihm die Leidenschaft für regenerative Energien entwickelt. „Er hat eines der ersten netzgekoppelten Windräder im deutschen Binnenland gebaut und den deutschen Ableger von Nordex gegründet. Im Studium habe ich dort gearbeitet“, erzählt der Meller. Bis zur Gründung von Bioconstruct 2001 entwickelte Borgmeyer zahlreiche Windenergieprojekte, als Gesellschafter der EEG Energie Expertise GmbH erstellte er Wind- und Emissionsgutachten. Bei Bioconstruct verantwortet er die Bereiche Projektentwicklung, Finanzierung und den Betrieb der Anlagen im Eigenbestand. Der Betrieb von Biogasanlagen ist neben der Konzeption und dem Bau ein Standbein des Unternehmens, wie Borgmeyer sagt. „Dieses Segment macht 10 bis 15 Prozent unseres Umsatzes aus.“ 2019 erzielte Bioconstruct mit seinen rund 130 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 48 Millionen Euro.
Das laufende Geschäftsjahr 2021 schätzt Borgmeyer als schwierig ein. „Wir werden wohl von der Substanz leben müssen“, blickt der Geschäftsführer voraus. Den Grund sieht er sowohl im Brexit als auch in der Corona-Pandemie. „Aufträge werden derzeit gar nicht vergeben“, sagt Borgmeyer mit Blick auf den wichtigsten Markt Großbritannien. Bei den Investoren, die die großen Anlagen bauen, sitze das Geld zurzeit nicht so locker wie zuvor. „Projekte werden auf die lange Bank geschoben. Es besteht die Sorge, dass die britische Wirtschaft kollabiert.“
Einen einzelnen Markt, der das Großbritannien-Geschäft auffangen kann, gebe es nicht. „Frankreich mausert sich, dort bauen wir zurzeit vier Anlagen parallel. Doch die sind deutlich kleiner als jene in Großbritannien.“ In anderen Ländern wie zum Beispiel Polen, Rumänien oder Ungarn, die sich für Biogas eignen würden, fehlten die Rahmenbedingungen, so Borgmeyer. Auch in Deutschland sind die Bedingungen für Biogasanlagen mit der Novelle des EEG nicht besser geworden.
Hoffnungen setzen die Meller auch auf den US-Markt. „Die Vorzeichen für erneuerbare Energien haben sich durch den Präsidentschaftswechsel deutlich verbessert“, sagt der Unternehmer. Daher habe Bioconstruct nun auch in den USA eine Tochterfirma gegründet.
Also heißt es für Bioconstruct: Zähne zusammenbeißen, so Borgmeyer. „Die Langfrist-Perspektiven für die erneuerbaren Energien sind super.“ Eine Frage müsse jedoch beantwortet werden: „Was ist uns die Flexibilität einer Biogasanlage im Stromnetz wert?“, sagt der Meller Geschäftsmann. Denn dass der Strom deutlich höher vergütet werden müsse als jener aus Windkraft- oder Solaranlagen, liege auf der Hand. „Auch die Rohstoffe, die in einer Biogasanlage eingesetzt werden, müssen bezahlt werden.“

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