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Nachwachsende Blühwiesen liefern saubere Energie

BioConstruct testet Wildpflanzen zur Gewinnung von Biogas – erste Ernte in Melle ist vielversprechend

Zuversichtlich waren Geschäftsführer Henrik Borgmeyer (li.) und Daniel Tönsing, verantwortlich für den Betrieb der Biogasanlage von BioConstruct in Melle, bereits beim Besuch des Testfelds im vergangenen Jahr. (Foto: Rene Sutthoff)

Erfolgreiche Ernte: Die Wildpflanzen haben im ersten Jahr mehr als 31 Tonnen Biomasse pro Hektar geliefert. (Foto: Carolin Igelmann)

Wildpflanzen können eine Alternative zu Mais als Energieträger in der Biogasgewinnung sein. Zu diesem Ergebnis kommt die BioConstruct GmbH nach der ersten Ernte von 15 Hektar, im vergangenen Jahr gesäten Blühwiesen mit einer Mischung aus rund 20 Pflanzen, darunter Kamille, Wiesenkerbel, Farne und Margeriten. Die abgeernteten Versuchsfelder in und um Melle lieferten einen Durchschnittsertrag von 31,25 Tonnen Biomasse pro Hektar. Im Vergleich dazu sind es bei Mais durchschnittlich rund 45 Tonnen. „Das Ergebnis hat unsere Erwartungen im ersten Schritt erfüllt“, freut sich Geschäftsführer Henrik Borgmeyer. Mit BioConstruct unterstützt er die Initiative „Energie aus Wildpflanzen“ der Kooperation Lebensraum und Artenschutz (KLAr) Melle nicht nur mit dem Know-how als ein europaweit führender Anbieter und Betreiber von Biogasanlagen. Das Meller Unternehmen nimmt die geerntete Biomasse darüber hinaus zu einem Preis über Marktwert ab, erntet die Wildpflanzen und verarbeitet sie in der Biogasanlage im hauseigenen Agrar-Technologie-Zentrum (ATZ).   

Für das kommende Jahr ist Borgmeyer zuversichtlich, dass der Ertrag pro Hektar sogar noch steigen könnte. Bei Blühpflanzen kann man davon ausgehen, dass die Stauden fünf Jahre überleben und nach der Ernte im Herbst wieder neu ausschlagen. Ob sie im zweiten oder dritten Jahr mehr Ertrag liefern, bleibt abzuwarten. Fest steht aber schon, dass BioConstruct sein Engagement ausweitet und die Flächen auf rund 40 Hektar ausgedehnt hat. Erst wenn auf den Blühwiesen im Jahr 2024 zum fünften Mal geerntet worden sein wird, kann man ein endgültiges Fazit ziehen. Erst dann werden wirklich belastbare Zahlen feststehen. „Das erste Zwischenergebnis ist aber vielversprechend und deutet auf eine nachhaltige Ergänzung für die Biogasproduktion als verlässlicher Energielieferant hin“, so Borgmeyer, der darauf hinweist, dass Biogas als einziger grundlastfähiger erneuerbare Energieträger Strom und Wärme liefern kann, wenn Sonne und Wind Pause haben. Vorausgesetzt natürlich, dass ausreichend Biomasse zur Verfügung steht. Die Energiegewinnung aus Wildpflanzen bietet hier eine Chance.

Neben dem guten Ausblick für die Gewinnung von Biogas betont Borgmeyer, dass die Blühwiesen viele positive Auswirkungen für die Natur und die Landwirte haben. Das Rehwild findet zwischen den Stauden im Winter Schutz. Im Sommer finden Kleintiere und Insekten, inklusive Wildbienen und Schmetterlingen, hier ihren natürlichen Lebensraum und eine verbesserte Nahrungssituation. Die Bauern müssen die Flächen nur einmal säen und können diese dann für wenigstens fünf Jahre ganz der Natur überlassen.

Weitere Vorteile für die Landwirte: Die Agrarbeihilfen der Europäischen Union sind an Grünflächen gekoppelt. Die Blühwiesen erfüllen diese Vorgaben, sind ein aktiver Beitrag zum Umweltschutz und liefern gleichzeitig einen wirtschaftlichen Ertrag. Die Dauerkulturen wachsen auf lebendigem Boden, der nicht jedes Jahr umgebrochen wird, was langfristig gut für die nachhaltige Ertragskraft ist. Nicht zuletzt gestalten der Artenreichtum und die blühende Kulturlandschaft das Bild in Melle positiv. 

Die Initiative ist, was die Größenordnung des Projektes und damit letztendlich auch die Ertragskraft angeht, übrigens weit vorn dabei, wenn es um das Finden von Alternativen zu Mais in der Biogasgewinnung geht. BioConstruct baut seit einigen Jahren durchwachsene Silphie an, die aber häufig nicht richtig abreifte und daher zu feucht geerntet werden musste. Der Trockengehalt bei den Wildpflanzen dagegen liegt mit gut 30 Prozent im idealen Bereich, was zu einer sehr guten Verarbeitungsqualität führt. „Das hatten wir so gut nicht erwartet“, freut sich Borgmeyer, der darüber hinaus betont, dass die silierten Blühpflanzen einfach toll riechen. Beim Häckseln oder Schnuppern am Silohaufen hat man fast das Gefühl, dass man an frischem Kräutertee riecht.