Sie befinden sich hier:
  1. Home
  2. Unternehmen
  3. News

Trotz Brexit: Biogasanlagen aus Melle für Großbritannien

BioConstruct setzt auf Green New Deal und Potenziale in Übersee und Osteuropa – kein Markt in Deutschland ohne verlässliche Rahmenbedingungen

Obwohl der Bau von Biogas- und Windkraftanlagen in Deutschland nicht zuletzt aufgrund der Blockadepolitik aus Berlin weiter stockt, kann die BioConstruct GmbH erneut auf ein gutes Jahr zurückblicken. Ein Grund dafür ist die weiterhin gute Nachfrage aus Großbritannien, wo das Meller Unternehmen 2019 sieben Biogasanlagen ans Netz gebracht und seine Position als Technologieführer für Planung und Bau schlüsselfertiger Abfallvergärungsanlagen gestärkt hat. Ein weiterer Grund ist der Trend zur Biomethaneinspeisung mit entsprechender Förderung in Frankreich. Und dass darüber hinaus selbst hierzulande noch Biogasanlagen realisiert werden können, zeigt BioConstruct mit einer Anlage nahe Magdeburg, die letztes Jahr erfolgreich in Betrieb gegangen ist. Insgesamt hat das Unternehmen seinen Umsatz im Kerngeschäft Anlagenbau und Service mit knapp 48 Millionen Euro auf gutem Niveau bestätigt. „Vor allem, wenn man bedenkt, dass wir obendrein bereits viel in Projekte investiert haben, die dieses Jahr fertig werden und erst dann positiv aufs Ergebnis einzahlen“, wie Geschäftsführer Henrik Borgmeyer vorrechnet.

In 2019 sieben Biogasaufbereitungsanlagen in UK realisiert

Eine deutliche Umkehr der guten Entwicklung in Großbritannien sieht BioConstruct trotz Brexit vorerst nicht. „Für uns ist es zunächst vorteilhaft, dass eine klare Entscheidung getroffen worden ist“, so Borgmeyer. Das britische Pfund präsentiert sich seit dem Ausstieg aus der EU stabil, was die Planungen einfacher macht. Wie sich der Markt in UK langfristig entwickelt, ist zum einen von den Verhandlungen mit der EU in der Übergangszeit bis Ende des Jahres abhängig. Zum anderen blickt Borgmeyer gespannt auf die Entscheidung der britischen Regierung zur möglichen Neuauflage des RHI-Bonus (Renewable Heat Incentive), die im März erwartet wird.

Im Jahr 2019 hat BioConstruct rund 57 Prozent seines Umsatzes im Vereinten Königreich erwirtschaftet. Der Anteil an der Gesamtleistung lag bei knapp 62 Prozent. Die sieben ans Netz genommenen Projekte sind im Wesentlichen Biogasaufbereitungsanlagen, die ihr Gas zu Biomethan (Erdgas) verarbeiten und dieses ins nationale Netz einspeisen, wo es zum Heizen genutzt wird. Zusätzlich wird je Standort ein mittelgroßes Blockheizkraftwerk (BHKW) mit installierter elektrischer Leistung von 499 Kilowatt (kW) betrieben, das den Eigenstrombedarf nachhaltig deckt. Zusammengerechnet gewinnen die sieben Anlagen, in denen größtenteils landwirtschaftliche und industrielle Abfälle verwertet werden, mehr als 3.500 Normkubikmeter (Nm3) Biomethan pro Stunde. Das entspricht dem Wärmebedarf  von etwa 10.000 Haushalten. Für 2020 und 2021 verhandelt BioConstruct in UK aktuell weitere Großprojekte.

Biomethaneinspeisung für landwirtschaftliche Betriebe in Frankreich

Eine Chance für Biogas, das als einziger grundlastfähiger erneuerbare Energieträger Strom und Wärme liefert, wenn Sonne und Wind Pause haben, sieht BioConstruct auch weiterhin in Frankreich. Hier sind für das laufende Jahr mehrere Anlagen zur Biomethaneinspeisung in Planung. Die Ausrichtung ist dabei allerdings eine andere als in Großbritannien: Die Projekte sind zumeist Teil von landwirtschaftlichen Betrieben und ihre durchschnittliche Größe ist mit einer installierten Kapazität von etwa 125 Nm3 Biomethan pro Stunde eher kleiner. Als Substrate werden in den meisten Fällen eigene Gülle, Mist, Gemüseabfälle, Abfälle aus der Agrarindustrie und Zwischenfrüchte verwertet. „Aufgrund der derzeit noch hohen Vergütung wird sich der Boom in Frankreich noch etwas fortsetzen, aber eine Absenkung des Tarifs wurde bereits angekündigt“, ist Borgmeyer verhalten optimistisch. 

Spannende Herausforderungen in Osteuropa, Asien und den USA

Mit Blick auf weitere europäische Märkte hofft BioConstruct durchaus auf positive Effekte durch den Green New Deal der EU-Kommission. „In Osteuropa warten mit Polen, Rumänien, Ungarn und Bulgarien hinsichtlich Biogas noch einige schlafende Riesen“, so Borgmeyer. Außerdem stehen international weitere spannende Aufgaben an. Aktuell sind Experten aus Melle an der Planung und dem Engineering eines Projektes in Hongkong beteiligt. Darüber hinaus sind erste Schritte in den USA gemacht worden, wo die Erweiterung einer Anlage ansteht und einige Neuprojekte in Aussicht gestellt sind, für die allerdings noch einige organisatorische Herausforderungen gemeistert werden müssen.

Energiepolitik in Deutschland: Blockadepolitik aus Berlin muss ein Ende haben

Mit Blick auf den Markt in Deutschland ist die aktuelle Energiepolitik des Bundes für BioConstruct ein Desaster. „Man beschließt mit viel zu hohen Kosten den Kohleausstieg, ohne danach den Weg für kostengünstigere und sauberere Alternativen zu ebnen. Überall werden dem Ausbau der erneuerbaren Energien Steine in den Weg gelegt, sei es mit pauschalen Abständen von Windkraftanlagen zur Wohnbebauung oder mit der fehlenden Integration von Biogas in das Gebäudeenergie- und KWK-Gesetz“, beschwert sich Borgmeyer. Durch dieses Zaudern und Hinauszögern sieht BioConstruct eine kostengünstige Energiewende sowie die Versorgungssicherheit ernsthaft gefährdet: „Kein Ausstieg aus den alten Energien ohne Einstieg in die Erneuerbaren!“