Am Hafen Wittlager Land in Bohmte (Landkreis Osnabrück, Niedersachsen) ist im Rahmen eines Bauprojekts eine hochmoderne Biogasanlage entstanden, die neue Maßstäbe in Effizienz, Nachhaltigkeit und Automatisierung setzt. Die Anlage ist so konzipiert, dass sie sowohl flüssige als auch feste Einsatzstoffe optimal verwertet und dabei innovative Technik mit höchster Betriebssicherheit kombiniert.
Für eine reibungslose Substratlogistik steht eine befahrbare Annahmehalle zur Verfügung. Diese ist mit einer permanenten Belüftung sowie einer Abluftbehandlungsanlage ausgestattet und dient der Annahme und Lagerung der überwiegend regionalen Einsatzstoffe – vor allem Geflügelmist.
Zwei Feststoffeintragssysteme mit jeweils rund 140 m3 Füllvolumen und Flüssigfütterung sorgen für die kontinuierliche Beschickung der Gärstrecke. Zum Schutz der nachfolgenden Anlagentechnik sind beide Systeme mit einem integrierten Metallabscheider (Überbandmagnet) sowie einem Störstoffabscheider für Steine und ähnliche Fremdkörper ausgestattet.
Die Gärstrecke besteht aus fünf zentral gerührten Hochbehältern. Dieser Behältertyp zeichnet sich durch ein großes Nutzvolumen bei gleichzeitig geringem Platzbedarf aus. In Bohmte beträgt das gesamte Nutzvolumen rund 40.000 m3. Dadurch wird eine besonders effiziente Ausnutzung der eingesetzten Rohstoffe erreicht. Zudem überzeugen die Gärbehälter durch ihren geringen Eigenenergieverbrauch (Strom und Wärme) sowie durch Wartungs- und Servicefreundlichkeit.
Bevor das erzeugte Biogas verwertet werden kann, erfolgt zunächst eine Vorkonditionierung. Neben der klassischen Biogastrocknung und der Entschwefelung mittels Aktivkohlefilter kommt zusätzlich eine biologische Entschwefelungsanlage zum Einsatz. Ergänzt wird das Verfahren durch die automatische Zudosierung von flüssigem Eisenchlorid direkt in die Gärstrecke. Zur weiteren Verbesserung der Biogasqualität werden Aktivkohlefilter zur Entfernung flüchtiger organischer Verbindungen (VOC) sowie ein Nasswäscher zur Abscheidung von Ammoniak eingesetzt.
Das anschließende „Herzstück“ der Anlage ist die Gasverwertung. Ein Teil des Biogases wird vor Ort in einem Blockheizkraftwerk (BHKW) in Strom und Wärme umgewandelt, die wiederum als Prozessenergie in der Biogasanlage genutzt werden. Der größere Teil wird zu Biomethan und flüssigem CO2 aufbereitet. Die Trennung des Biogases in Methan (CH4) und Kohlendioxid (CO2) erfolgt mittels Druckwechseladsorption (Pressure Swing Adsorption, PSA) – einem besonders stromsparenden Trennverfahren.
Das gewonnene Biomethan wird direkt ins Gasnetz eingespeist und kann an der Entnahmestelle flexibel genutzt werden, etwa als Kraftstoff im Schwerlastverkehr oder zur dezentralen Strom- und Wärmeerzeugung.
Das abgeschiedene CO2 wird durch Trocknung und Kühlung verflüssigt und in Tanks zwischengelagert, bis es abgeholt wird. Dieses sogenannte LCO2 weist eine so hohe Reinheit auf, dass es sogar in der Lebensmittelindustrie eingesetzt werden kann.
Mit der Biogasanlage in Bohmte setzen bioconstruct und der Anlagenbetreiber NDEnergie ein deutliches Zeichen für die Zukunft der erneuerbaren Energien. Die Anlage demonstriert eindrucksvoll, wie modernste Biogastechnologie, intelligente Automatisierung und nachhaltige Energieverwertung ineinandergreifen – für eine stabile Energieversorgung, reduzierte CO2-Emissionen und eine langfristige Wertschöpfung in der Region.




